Auto-TÜV im März, Versicherungsbeitrag im Mai, Familienurlaub im August, Geschenke im Dezember. Diese Posten sind nicht unerwartet — sie kommen jedes Jahr zur gleichen Zeit. Trotzdem treffen sie die meisten Haushalte wie ein Notfall: nicht im Budget, nicht im Notgroschen, also in den Dispo.
Sinking funds — auf Deutsch Rücklagen-Töpfe — lösen das Problem mit einer simplen Idee: bekannte unregelmäßige Ausgaben werden durch zwölf geteilt und monatlich angespart. Wenn der Termin kommt, ist das Geld da.
Wie sich Sinking Funds vom Notgroschen unterscheiden
Notgroschen: für unbekannte, wirklich unerwartete Schadenereignisse. Waschmaschine, Jobverlust, Zahnkrone.
Sinking Funds: für bekannte, planbare, terminierte Ausgaben. TÜV, Urlaub, Weihnachten, Versicherungs-Jahresbeiträge.
Beide trennen — sonst stehst du im November vor der Wahl, ob das Weihnachtsbudget oder der Notgroschen für den kaputten Kühlschrank vorgeht.
Die typischen Töpfe
Auto: Versicherung, TÜV, Reifen, Reparaturen — Erfahrungswert: 80–150 € pro Monat bei einem Gebrauchtwagen.
Urlaub: Jahresbudget durch 12. 2.400 € Urlaub = 200 €/Monat.
Geschenke: Geburtstage + Weihnachten + Anlässe. Die meisten Haushalte unterschätzen — ehrliche Schätzung 40–80 €/Monat.
Versicherungs-Jahresbeiträge: einmal-jährliche Posten gleich auf 12 verteilen.
Reparaturen / größere Anschaffungen: bei Eigentümern ein Muss. Faustregel 1 % vom Immobilienwert pro Jahr.
Steuer (für Selbstständige): 25–35 % jeder Rechnung sofort weg.
Wo parken
Ein zweites Tagesgeldkonto, mental getrennt vom Notgroschen. Wer eine Bank mit Unterkonten-Funktion nutzt (DKB, ING, N26, C24), legt pro Topf ein eigenes Unterkonto an. Die Sichtbarkeit ist der ganze Trick — du willst sehen, dass der Urlaubs-Topf bei 1.200 € steht, nicht in einem Sammeltopf untergehen.
In 30 Minuten einrichten
1. Liste aller jährlichen Posten
Auto, Versicherungen, Urlaub, Geschenke, größere Geräte. Geschätzte Jahressumme. Geteilt durch 12.
2. Konto / Unterkonten anlegen
Ein Tagesgeldkonto mit so vielen Unterkonten wie du Töpfe hast. Wer keine Unterkonten hat: ein simples Spreadsheet, das die Salden in einem Konto rechnerisch trennt.
3. Daueraufträge einrichten
Pro Topf ein Dauerauftrag zum 1. des Monats. Beträge fix.
Was es ändert
Im November fragt niemand mehr "wie viel Weihnachten dieses Jahr?" — die Antwort steht im Topf. Im März ist der TÜV-Termin keine Krise, sondern ein Buchungsvorgang. Das Jahr verläuft glatter, weil keine bekannten Ausgaben mehr als Schock auftauchen.
Der Effekt geht über Geld hinaus. Die meisten finanziellen Krisen sind keine echten Krisen — es sind bekannte Termine, für die niemand zurückgelegt hat. Sinking Funds sind die langweiligste, wirksamste Antwort darauf.