Wer seit über drei Jahren beim Grundversorger ist, zahlt im Schnitt 30–50 % zu viel für Strom und Gas. Das ist kein Geheimnis und kein Trick — es ist die strukturelle Logik des Marktes: Bestandskunden quersubventionieren Neukunden-Boni. Ein Wechsel pro Jahr unterbricht diesen Mechanismus.

Der Aufwand: 30–45 Minuten einmal pro Jahr. Die Ersparnis: 200–500 € pro Jahr für einen Zwei-Personen-Haushalt, oft mehr.

Warum Grundversorger so teuer sind

Grundversorger müssen jeden in ihrem Gebiet beliefern. Diese Pflicht zahlt sich in höheren Preisen ab. Wer nicht aktiv wechselt, finanziert die Wechsel-Boni der anderen mit. Das ist nicht Bösartigkeit der Stadtwerke — es ist ein regulatorisches Konstrukt, in dem Treue bestraft wird.

Wie ein Wechsel abläuft

1. Verbrauch ablesen

Jahresverbrauch in kWh — steht auf der letzten Jahresabrechnung. Strom typischerweise 1.200 kWh (1 Person), 2.500 kWh (2), 3.500 kWh (Familie). Gas in einem 70-m²-Mietverhältnis grob 8.000–11.000 kWh.

2. Vergleichen

Verivox oder Check24. Filter setzen: 12 Monate Preisgarantie, keine Vorauskasse, monatliche Zahlung. Das schließt 80 % der schwarzen Schafe direkt aus.

3. Online wechseln

Der neue Anbieter kündigt für dich. Du musst nichts schreiben. Wechsel dauert 4–6 Wochen, in denen die Lieferung weiterläuft.

4. Termin im Kalender für nächstes Jahr

Genau 11 Monate später: nochmal vergleichen. Falls günstiger: erneut wechseln. Andernfalls verlängert sich der Vertrag automatisch ein Jahr — und du landest in der Bestandskunden-Falle.

Die typischen Boni-Fallen

  • Sofortbonus + Neukundenbonus, ausgezahlt nach 12 Monaten — okay, aber nur, wenn du auch wirklich wechselst.

  • Pakettarife mit Vorauskasse — vermeiden. Insolvenzrisiko des Anbieters wird auf dich abgewälzt.

  • Tarife mit "flexibler Preisanpassung" — also kein Schutz vor Preiserhöhung. Mindestens 12 Monate Preisgarantie ist Standard.

  • Bonus, der nur im ersten Jahr greift, danach Tarif teurer als Grundversorger — ohne erneuten Wechsel ein Verlustgeschäft ab Monat 13.

Wann es nicht passt

  • Mieter mit pauschal abgerechneten Nebenkosten — du wählst nicht selbst.

  • Heizen über Wärmepumpe oder Fernwärme — andere Logik, oft kein freier Markt.

  • Vorhandener Vertrag mit Restlaufzeit — abwarten oder Sonderkündigungsrecht prüfen (z. B. nach Preiserhöhung).

Das Ritual

Einmal im Jahr 30 Minuten am Sonntagnachmittag. Verivox auf, alte Vertragsdaten daneben, Wechsel beantragen, Kalender-Erinnerung in 11 Monaten. Dann 350 € weniger jährliche Stromrechnung — auf Jahre.