Ausgaben kürzen ist unsexy. Niemand schreibt TikToks darüber, dass er seine Haftpflichtversicherung gewechselt hat. Dabei sind Fixkosten der einzige Hebel, der ohne Verzicht funktioniert: einmal umgestellt, sparen sie jeden Monat weiter, ohne dass du nochmal darüber nachdenken musst.
Die Reihenfolge unten ist grob nach Effekt sortiert: der größte Hebel steht oben. Wer nur die ersten fünf Punkte durchgeht, spart in vielen Haushalten 80–150 € pro Monat — mit drei bis fünf Stunden Einmalaufwand.
Wohnen
1. Stromanbieter wechseln
Verivox oder Check24 vergleichen, auf den günstigsten Ökostromtarif mit 12 Monaten Preisgarantie wechseln. Ersparnis gegenüber Grundversorger typischerweise 200–400 € pro Jahr.
2. Gasanbieter wechseln
Gleiches Vorgehen. Besonders lohnend bei Bestandskunden, die nie gewechselt haben — da ist fast immer ein dreistelliger Betrag pro Jahr drin.
3. Internet-Tarif prüfen
Nach 24 Monaten steigt die Grundgebühr bei fast allen Anbietern deutlich. Kündigung androhen, Rückholangebot annehmen oder wechseln. 10–15 € pro Monat sind realistisch.
Mobilität
4. Kfz-Versicherung jährlich prüfen
Stichtag für den Wechsel ist der 30. November. Vergleichsportal checken — wer das fünf Jahre nicht gemacht hat, zahlt oft 30–40 % zu viel.
5. Deutschlandticket rechnen
Wer zweimal pro Woche mit Bahn oder Bus fährt, liegt mit dem Deutschlandticket meist günstiger als mit Einzeltickets — und spart sich das Nachdenken über Tarifzonen.
Abos und Verträge
6. Streaming-Stack konsolidieren
Netflix + Disney+ + Amazon + Apple TV + Spotify + Paramount = knapp 60 € pro Monat. Reihum kündigen und bei Bedarf wieder abschließen spart locker die Hälfte. Keiner merkt's.
7. Fitnessstudio ehrlich auswerten
Wenn die letzten drei Monate weniger als achtmal Training waren: raus aus dem Vertrag. Ausnahmeregeln bei Kündigung nutzen (Umzug, Krankheit, Arbeitgeberwechsel).
8. Versicherungen konsolidieren
Haftpflicht, Hausrat, Rechtsschutz: Pakete bei einem Anbieter sind oft günstiger als Einzelverträge. Zahnzusatz, Reisegepäck, Handyversicherung: meist überflüssig.
Finanzen
9. Girokonto-Gebühren killen
Commerzbank, Sparkasse, Volksbank verlangen oft 5–10 € pro Monat. DKB, ING, C24 oder Comdirect sind kostenlos (DKB bei aktivem Gehaltseingang). 60–120 € pro Jahr.
10. Kreditkarten-Jahresgebühren prüfen
Alle Premium-Karten unter 100 € Jahresgebühr lohnen sich nur, wenn du die Benefits wirklich nutzt. Sonst kündigen und auf eine kostenlose Visa oder Mastercard wechseln.
11. Dispokredit tilgen — nicht dulden
Dispo-Zinsen liegen bei 9–14 %. Jeder Euro Dispo, den du über einen Monat mitschleppst, ist teurer als jede Sparquote bringt. Priorität eins.
Lebenshaltung
12. Lieferdienste rationieren
Lieferando, Wolt, Gorillas: bequem, aber teuer. Ein Wochenbudget (z. B. 40 €) setzen, darüber nichts mehr bestellen. Funktioniert, weil die Zahl vor der Bestellung sichtbar ist.
13. Wocheneinkauf planen
Einkaufszettel vor dem Laden, nicht im Laden. Spontankäufe kosten in der Regel 20–30 % mehr. Gleicher Effekt im Online-Shop: Warenkorb eine Nacht stehen lassen.
Mentale Hebel
14. Alle Abos an einem Tag kündigen
Monatsenden sind der beste Tag. Dauerauftrag-Liste im Girokonto durchgehen, alles was nicht in den letzten 30 Tagen genutzt wurde: weg.
15. 24-Stunden-Regel für alles > 50 €
Nichts spontan kaufen. Wunsch aufschreiben, einen Tag warten, dann entscheiden. 60 % der Wünsche überleben die Nacht nicht.
16. Jahresabschluss mit sich selbst
Einmal im Jahr: Kontoauszüge der letzten 12 Monate exportieren, Top-20-Ausgaben sortieren. Jede einzelne mit "behalten / kürzen / streichen" bewerten.
17. Ein Konto für Fixkosten
Getrenntes Unterkonto nur für Miete, Strom, Versicherungen. Monatlicher Dauerauftrag vom Hauptkonto. Sobald das Fixkosten-Konto schwarz ist, weißt du: alles läuft.
Fazit
Fixkosten sind der einzige Sparhebel, bei dem Disziplin keine Rolle spielt. Einmal umgestellt, läuft der Effekt. Drei Wochenend-Nachmittage reichen, um einen vollen Durchlauf zu machen — und ab dann jedes Jahr 800–1.500 € mehr übrig zu haben.